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Das Tutorial behandelt ganz normale Party/Clubphotographie. Wer sich kreativ oder anspruchsvoll austoben will wird hier wahrscheinlich wenig Hilfreiches finden, hier geht es erst einmal um die Grundlagen.

Clubphotographie

ein Tutorial von Jacob Linhard

Licht

Lichtsituation

In dein meisten Clubs gibt es vielfarbiges Licht, Strahler, Stroboskopblitze etc. Das ganze wechselt oft schlagartig und fordert deswegen den Photographen insbesonders, da dieser immer wieder auf andere Lichtsituationen reagieren muss.

Umgebungslicht

Ganz wichtig bei Partyphotos ist das Einfangen von Umgebungslicht. Wenn der Hintergrund im Dunklen absäuft und nur die Personen im Vordergrund zu sehen sind, werden die Photos meist langweilig. Die Kunst ist also, ein ausgewogenes Gleichgewicht in der Belichtung zu finden, die abgebildeten Menschen scharf und korrekt zubelichten und einen interessanten Hintergrund einzufangen.

Kunstlicht

Ohne geht es eigentlich nicht, ein Systemblitz (Aufsteckblitz) für die Kamera ist absolut empfehlenswert. Dieser kann an einer DSLR, aber auch an einer Bridge/Superzoom oder sogar an Kompaktkameras (zB Powershot G-Serie) benutzt werden. Generell muss der Blitz nicht sehr leistungsstark sein, da das Motiv (die Personen) meistens sehr nahe sind. Günstige Blitze von diversen Drittherstellern reichen in der Regel vollkommen aus.

Lichtformer

Ebenfalls unbedingt zu empfehlen sind alle Arten von Lichtformern. Diese haben unterschiedliche Begriffe wie zB: Diffusor, Omnibounce, Bounce, Softbox etc. Das sind alles mehr oder wenige Plastikvorsätze für den Blitz, die das Blitzlicht streuen und abdämpfen. Sinn davon ist, harte Schattenkanten zu vermeiden und das Licht großflächiger zu verteilen. Einen Diffusor/Softbox

gibts für ca 10-15€ bei Amazon für die meisten Blitze (siehe Linkliste unten). Man kann sich so etwas aber auch aus einem Stück weichem, halb durchsichtigen Stück Plastik und etwas Draht selbst bauen.

Eine Notlösung ist noch die Verwendung der (eingebauten) Reflektorkarte und der Streuscheibe, wenn man beide ausgeklappt und den Blitzkopf um 45° nach oben neigt wird das Blitzlicht auch etwas gedämpft und weiter gestreut.

Außerdem gibts es noch Filter-Folien wie zum Beispiel von der Firma Lee (Folie 204), die die Temperatur des Blitzlichtes verändern. Generell sind diese nicht notwendig, für perfekte Ergebnisse kann man sie aber gut brauchen. Problematisch sind sie in der Hinsicht, da das Umgebungslicht in einem Club kaum eine einheitliche Temperatur hat. Auf das Lichtformen durch Filter-Folien gehe ich jetzt aber nicht ein, das würde etwas zu speziell werden.


Kameraeinstellungen

 

Belichtungszeit

Der Clou beim Photographieren in Clubs ist das Wählen langer Belichtungszeiten. Dadurch fängt man generell erst einmal viel Licht ein, was ja gewollt ist. Brauchbare und oft verwendete Belichtungszeiten gehen bei einer Sekunde los und können bis ca 1/10s-1/20s gehen. Unter normalen Umständen würde durch solch eine lange Belichtungseit das Bild verwackeln oder das Motiv verwischen. Das passiert aber in diesem Fall nicht, da der Systemblitz in dieser einen Sekunde blitzt und die Abbrenndauer des Blitzes sehr kurz ist. Somit wird der Vordergrund (so weit eben der Blitz reicht) ganz kurz belichtet und scharf abgebildet, während der (dunkle) Hintergrund länger belichtet wird. Man spricht auch von einer "Doppelbelichtung" (Blitzlicht + Umgebungslicht). Besondere Lichtsituationen werden später nochmal angesprochen.

Blende

Um möglichst viel Licht einzufangen ist eine weit offene Blende gut. Das heißt ein möglichst lichtstarkes Objektiv ist am besten. Bei einem Zoom ist das generell f/2.8, bei Festbrennweiten hat man (im normalen preislichen Rahmen) f/1.4 oder f/1.8. Die meistens günstigen Zooms (wie zum Beispiel ein Tamron 17-50 2.8 oder ein Sigma) sind bei Offenblende nicht am abbildungsstärksten. Darum empfiehlt es sich (um möglichst scharfe Bilder zu erhalten) ein wenig abzublenden, in dem Fall auf ca f/3.2 oder f/3.5.

ISO

Bei der Einstellung des ISO-Wertes scheiden sich die Geister. Die einen bestehen auf ISO 100 und beste, rauschfreie Qualität, andere nehmen auch einen höheren ISO-Wert und dadurch Bildrauschen in Kauf. Darum sollte man da einfach den endgültigen Verwendungszweck betrachten: Werden die Photos in einer kleinen Auflösung (800x600 Pixel zum Beispiel) nur im Internet veröffentlicht, dann können ISO-Werte generell bis 1600 (bei aktuellen Kameramodellen auch bis 6400) verwendet werden. Durch Rauschentfernung am PC und herunterskalieren der Photos sieht man das Rauschen schlussendlich kaum mehr. Falls man aber in Magazinen druckt oder die Photos in größerer Auflösung braucht, so sollte man tatsächlich nur sehr niedrige ISO-Werte verwenden. Zu beachten ist auch die Gefahr der Mischlicht-Situation (siehe weiter unten).

Modus

Da man hier viele manuellen Einstellungen hat empfiehlt sich hier der Modus "M". Belichtungs- oder Zeitautomatik gehen zwar auch (zB die Blende fest auf f/3.2) machen aber nur in manchen Situationen Sinn. Da muss man einfach ein wenig probieren, wie man am besten zurecht kommt.

Hier noch mal drei Photos mit verschiedenen Einstellungen, die das ganze veranschaulichen

Blitzeinstellung

 

ETTL Automatik

Eigentlich reicht es in allen Fällen, wenn der Blitz auf Automatik gestellt ist und somit den Vordergrund immer korrekt belichtet.

entfesselt Blitzen

Das wird wahrscheinlich die wenigsten betreffen, aber entfesselt zu blitzen ist meistens besser als ein fester Aufsteckblitz von schräg oben (oder links bei Hochkantbilder). Man hat generell mehr Freiheit, die Lichtrichtung zu bestimmen und kann dadurch das Photo besser gestalten. Außerdem besteht die Möglichkeit einen Aufsteckblitz in Verbindung mit einem entfesselten Blitz (Slave) zu verwenden. So lassen sich zum Beispiel Schatten im Gesicht der Personen (die teilweise bei Verwendung eines einzelnen Blitzes entstehen) komplett zu vermeiden. Das erfordert aber schon ein bisschen Übung und Erfahrung und sollte erst versucht werden, wenn man die Grundlagen intuitiv beherrscht.

Bildformat

Generell gilt es sich für RAW oder JPEG zu entscheiden. Eindeutiger Vorteil für das RAW-Format ist die Vielzahl an Möglichkeiten in der Nachbearbeitung. Man kann den Weißabgleich optimal korrigieren und hat auch in der Nachbelichtung noch einiges Potential. Außerdem kann man hohes ISO-Rauschen effektiver entfernen. Ein Nachteil ist aber die oft etwas länger dauernde EBV (die sich manchmal nur allein aus dem Potential ergibt). Zudem hat man noch voll auflösende (die man eigentlich gar nicht braucht) undgroße Bilddateien (die bis zu 15-25mb erreichen können), große Speicherkarten und viel Patz auf der Festplatte ist da schon nötig (bis zu 6gb Photos pro Abend sind keine Seltenheit). Zu Beachten ist noch, dass man alle Arbeitsschritte, die die Kamera bei JPEGs macht selbst ausführen muss. Also Nachschärfe, Kontrast erhöhen, entrauschen, etc.
Der Vorteil von JPEGs ist, dass diese meistens "out of cam" schon passabel sind und wenig nachbearbeitet werden müssen. Die Bilddateien sind deutlich kleiner und "handlicher" (kann man zB auch ohne RAW Konverter anschauen/bearbeiten oder direkt weitergeben). Nachbearbeitung geht bei JPEGs schon auch, und solang die Photos nur in Webauflösung im Internet landen ist das meistens vollkommen ausreichend.
Falls die Kamera kann, ist es eine praktische Lösung ein kleineres RAW-Format zu wählen. Die Canon EOS 7D kann ein Photo als sogenanntes sRAW speichern, das ca ein Viertel der vollen 18 Megapixel Auflösung hat. Somit hat man die alle Möglichkeiten beim Bearbeiten und kleinere Dateien (und keine unnötig große Auflösung).

Nachbearbeitung

Hier kann ich auch nur beschreiben wie ich es mache, da gibt es verschiedene Vorlieben und Stile. Für den Club benutze ich (generell) folgende Vorgabe in Lightroom 2:
Temperatur/Tönung: manuell angepasst
Belichtung: +0.2 (je nachdem wie ich den Blitz vor Ort eingestellt hatte)
Wiederherstellung: 15 | Aufhelllicht: 20 | Schwarz: 9
Helligkeit: +31 | Kontrast: +25 | Klarheit: +35
Lebendigkeit: 0 | Sättigung: 0 (normalerweise, manchmal entsättige ich auch noch ein wenig oder mach es bunter)
Schärfen -> Betrag: 30 | Radius: 1.0 | Details: 25 | Maskieren: 0
Rauschreduzierung ->Luminanz: 27 | Farbe: 25
Gradiatonskurve ->komplett manuelle Anpassung, das mach ich ohne Vorgabe
Verlaufsfilter, Korrekturpinsel und Bereichsreperatur wende ich nur bei wichtigeren Photos an (kostet meistens zu viel Zeit)

Update: Außerdem benutze ich in letzter Zeit eine selbst geschriebene Photoshop-Aktion, die ich per Stapelverarbeitung über alle exportierten JPEGs laufen lasse. Die Vorgehensweise knapp: in Lightroom werden die Bilder beschnitten, die Helligkeit angepasst (teils auch mit Verlaufsfiltern), etc. Anschließend werden die Photos im Zwischenformat (JPEG, 1500px Breite, 100% Qualität) exportiert und dann per Photoshop-Aktion weiterverarbeitet und anschließend in 480px Breite ausegeben (vom Auftraggeber gefordert). Das Skript lässt sich hier herunterladen (einfach mal in Photoshop laden und die einzelnen Arbeitsschritte durchgucken)

Eigene Erfahrung, Equipment, etc:

Ich habe lange Zeit mit einer Canon EOS 40D / 400D und einem Tamron 17-50mm f/2.8 photographiert. Inzwischen bin ich bei einer 7D angelangt und benutze ausschließlich Festbrennweiten (Sigma 30mm f/1.4 und ab und zu ein Peleng 8mm f/3.5). Dazu habe ich zwei Blitzgeräte, das 580EX II und das 430EX (welchen ich als Slave verwende). Auf beiden Blitzen sind Diffusoren. Den zweiten Blitz benutze ich optional um eine möglichst perfekte Ausleuchtung der Personen zu gewährleisten. Die 40D (und 7D) hat sogenannte Custom Modi, bei denen man Kameraeinstellungen speichern kann. Davon gibts es insgesamt drei (C1, C2 und C3) die wie folgt belegt sind:

C1:

Belichtungszeit 1/5s (lang genug um genügend Umgebungslicht einzufangen und kurz genug um Doppelbelichtungen im Vordergrund durch Umgebungslicht (meistens) zu verhindern)
Blende: f/3.2 (Offenblende wäre bei dem Objektiv f/2.8. Eine halbe Blendenstufe abgeblendet um mehr Schärfe zu erhalten)
ISO: 640 (durch Ausprobieren genommen. Rauschen ist durch EBV einfach zu entfernen und es wird viel Umgebungslicht eingefangen)
Format: sRAW (ca 2,4mp - RAW-Format. Da ich bei Clubphotos keine vollauflösenden 10 Megapixel Photos brauche. Im Internet sind sie dann sowieso nur in 800x600 Pixel zu sehen. RAW, da ich dann in der Nachbearbeitung noch Spielraum beim Anpassen des Weißabgleichs etc habe)

C2:

Belichtungszeit: 1/60 (Modus um bei sehr hellem Umgebungslicht die Personen im Vordergrund trotzdem scharf abzubilden (vermeidet Doppelbelichtung))
Blende: f/3.5 (etwas geschlossener, aber die Blende verstelle ich dann oft noch mal)
ISO: 1250 (durch die kurze Belichtungszeit säuft der Hintergrund schnell ab, die hohe ISO wirkt da etwas dagegen)
Format: sRAW (siehe oben. Bei einem RAW kann man außerdem das Rauschen effizienter rausrechnen)

C3:

Format: RAW (Volle Auflösung! Diesen Modus nutze ich, wenn ich wichtigere Photos mache, die eventuell auch anspruchsvoller nachbearbeitet werden und dann gegebenenfalls auch anderweitig verwendet werden)
Belichtungszeit: 1/30 (nur ein Mittelwert, manuell eingestellter Wert variiert zwischen 1/1s und 1/60s. Die 1/30 sind nur ein Kompromiss wenn es schnell gehen muss)
Blende: f/3.5 (siehe oben)
ISO: 640 (wird teilweise auf ISO 100 runtergeschraubt um beste Qualität zu erhalten. Manche mach ich aber dann doch mit ISO 640 oder etwas höher um mehr Licht einzufangen)

Das sind so die Grundeinstellungen die ich verwende. Natürlich werden diese öfters angepasst und verändert. Ich bin auch erst vor kurzem von striktem ISO 100 auf höhere ISO Werte umgestiegen, da ich gemerkt habe, dass das bei Webauflösung kaum Unterschiede macht.

Spezial-/Problemfälle:

- bei einer weit offenen Blende ist der scharf abgebildete Bereich relativ klein. Menschengruppen, die etwas schräg sind, können dadurch teilweise unscharf werden. Darum in diesem Fall die Blende etwas weiter schließen.

- bei einem hohen ISO-Wert besteht die Gefahr von Mischlicht! Das heißt, dass Umgebungslicht ist so hell, dass es auch den Vordergrund beleuchtet und so dem Blitzlicht in die Quere kommt -> ISO-Wert niedriger wählen.

- bei langen Belichtungszeiten und hellen Umgebungslicht (wie starken Strahlern direkt auf der Tanzfläche) kann es ebenfalls zu Mischlicht kommen, da das Umgebungslicht teilweise sogar heller als das Blitzlicht ist. In so einem Fall ist eine kurze Belichtungszeit (1/60s-1/250s) notwendig, um ein scharfes Photo zu erhalten.



- indirekt Blitzen: Falls man eine weiße (oder helle) Fläche in der Nähe hat, kann es nie schaden, einmal auszuprobieren, wie das Bild wird, wenn man indirekt blitzt (Blitzkopf schwenken/kippen). Dadurch wird das Licht noch stärker gestreut und wirkt natürlicher.



Kreatives:

- in vielen Clubs und Diskotheken gibt es Stroboskoplicht (schnelle, helle Blitze) auf der Tanzfläche. Diese lassen sich durchaus als Lichtquelle beim Photographieren nutzen. Vorgaben für Kameraeinstellungen gibt es da nur wenige, da diese der Situation angepasst werden müssen. Die Belichtungszeiten müssen der Frequenz des Stroboskops angepasst werden. Man kann auch die Belichtungszeit länger wählen und dadurch mehrere Blitze einfangen und somit Mehrfachbelichtungen machen. Das folgende (erste) Photo ist mit den Settings - 39mm, 0.8s, f/4.5, ISO 400 - entstanden.


- mit einem Zoomobjektiv kann man durch Zoomen während des Belichten interessante Effekte erzielen. Generell stelle ich eine relativ lange Belichtungszeit (bis zu 2s) und eine etwas geschlossenere Blende und höhere ISO ein. Dann drehe ich beim Photographieren den Zoom von 50mm auf 17mm oder umgekehrt.


- ungewöhnliche Perspektiven wie zum Beispiel von oben oder von unten photographieren. Dabei muss man aber aufpassen, dass man Leute nicht unvorteilhaft abbildet

- available light ist mit lichtstarken Objektiven und einer relativ rauscharmen Kamera möglich. Dazu empfiehlt sich eine etwas ruhigere Umgebung.

Linkliste:

580EX DIFFUSOR
430EX DIFUSSOR
dslr-forum.de Thread Partyfotos: wie machen die das?
Thread Partyfotos 2 (Partybilder mit Exifs)

Objektive die sich für Canon EOS DSLRs zum Beispiel eignen:

Tamron 17-50mm f/2.8 ~350€
Sigma 24-70mm f/2.8 ~500€
Canon 17-55mm f/2.8 IS USM ~800€
Sigma 10-20mm f/4-5.6 ~460€
Sigma 30mm f/1.4 ~450€


Beispielbilder:

(weitere Photos auf meiner Webseite in der Katergorie Nachtleben)